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Beruhigungspillen für Ludwigsfelde von der MAZ

19. Mai 2011

Über die absurde Podiumsdiskussion in Ludwigsfelde zum Thema Flugrouten BBI wurde bereits in zwei Teilen berichtet: »Ratschläge und Fantasien der Brandenburger Staatskanzlei« und »Über der Deutschen Flugsicherung steht nur Gott - Herumdoktern am toten BBI - Patienten«. Die Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ) hat dazu auch einen Artikel verfasst. Deren Redakteurin scheint aber auf einer ganz anderen Veranstaltung gewesen zu sein. Ein Kommentar.

Unter der Überschrift »Land hilft Ludwigsfelde gegen Lärm - Die Stadt kämpft für ein striktes Nachtflugverbot« wird dem Leser doch tatsächlich suggeriert, der (Mit-)Verursacher des zu erwartenden und gesteigerten Fluglärms um 60 dB - die Brandenburger Landesregierung - würde sich effektiv für die Ludwigsfelder einsetzen können. Und die Stadt würde Einfluß auf ein »striktes Nachtflugverbot« nehmen können. So wird der Bock zum Landesbeauftragten der Ludwigsfelder Gärten gemacht.

Ganz zu schweigen davon, dass die teils tumultartigen Szenen bei der Diskussion von der MAZ-Redakteurin ausgeblendet worden sind. Nein, der anwesende BBI-Gutachter Faulenbach da Costa findet mit seiner vernichtenden Kritik am Standort Schönefeld, an der Deutschen Flugsicherung und den Auswirkungen auf Ludwigsfelde keinerlei Erwähnung. Und so empfindet der geneigte - oder zukünftig eventuell nicht mehr so geneigte - MAZ-Leser möglicherweise alles nur wie:Friede, Freude, Kartoffelbrei und Wurstsalat auf einem Mülldeckel.

Wer sitzt da wohl bei wem mit im Boot? Tatsachen.

Um sich selbst Klarheit zu verschaffen, muss man aber nicht hinter die Kulissen schauen. Nur die Ohrenschützer hätten in die Tasche gehört.

  • Die Flugrouten werden einzig und allein durch die Deutsche Flugsicherung entschieden. Die Arbeit der Deutschen Flugsicherung kennt BBI-Gutachter Faulenbach da Costa von allen Deutschen Flughäfen seit vielen vielen Jahren. Er sagt überspitzt, wie deren Arbeitsprinzip lautet: Das kann ich machen, wie ich will. Da komme ich gleich nach dem lieben Gott.
  • Der Vertreter der Brandenburger Landesregierung Thomas Seidel hat deren Auffassung zum Nachtflug deutlich geschildert, indem er auf den Planfeststellungsbeschluss und dessen Ergänzung hinwies. In Kurzform: Die Brandenburger Landesregierung wünscht nachts - rund um die Uhr - Fluglärm Luftverkehr. Und zwar: In den Zeiten bis nachts 0 Uhr und morgens ab 5 Uhr soll Fluglärm Luftverkehr herrschen. In der Nacht von 0 bis 5 Uhr soll auch Fluglärm Luftverkehr herrschen. Denn bestimmte Flieger haben rund um die Uhr sowieso Start- und Landeerlaubnis. Ergo: Es gibt so etwas überhaupt nicht wie ein »striktes Nachtflugverbot«. Das hier ist nämlich genauso absurd: »Nachts ist es kälter als draußen.« Sogenanntes alkoholfreies Bier enthält meist eben doch noch Alkohol.
  • Eine dritte Piste in Schönefeld wird IM AUGENBLICK nicht diskutiert, so der Vertreter der Landesregierung. Was nicht ist, kann und wird kommen. Siehe jetzt schon München oder das Vorgeplänkel - in diesem Artikel anzusehen. Und hier als Video.

Aber über das alles schreibt die MAZ-Redakteurin nicht. Vielleicht hält sie es für zu schwierig für die Leser. Stattdessen: Allerdings bleibt auch zu sagen, dass der ab nächstem Jahr zu erwartende Fluglärm die Masse der Ludwigsfelder noch immer nicht zu beunruhigen scheint, nur 1000 Unterstützerunterschriften gibt es bisher für den Protest der Stadt. Ich sage:

Kein Wunder bei dieser Form der Berichterstattung. Und nehme gleich mal meine Pille. In deren Boot sitze ich nicht.

Auszüge aus der Podiumsdiskussion finden Sie in der Mediathek.

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