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Über der Deutschen Flugsicherung steht nur Gott - Herumdoktern am toten BBI - Patienten

18. Mai 2011

Man kennt sich. Man ist abgenervt. Und steckt doch die Köpfe zusammen. Es war eine absurde Podiumsdiskussion zum BBI-Schönefeld - mit tiefen Einsichten. Und nur einer behielt routiniert den Durchblick.

Verkehrte Welt

An der Veranstaltung nahm ein Vertreter der Brandenburger Staatskanzlei teil, welcher der harschen Kritik eines BBI-Gutachters an der Deutschen Flugsicherung (DFS) und der Flughafengesellschaft (FBS) vehement nickend beipflichtete. Und das, obwohl genau diese Brandenburger Landesregierung für den perspektivlosen Standort in Schönefeld mitverantwortlich ist und über ihre Beteiligung einen enormen Einfluß auf die DFS und die FBS nehmen könnte. Ebenfalls im Podium dabei waren politische und bürgernahe Vertreter, die (fast) einstimmig nur am toten Schönefelder Patienten Flughafen Berlin Brandenburg International in Form von Flugrouten herumdoktern mochten. Der Ludwigsfelder Bürgermeister Frank Gerhard nennt das Verteilungskampf mit anderen BBI-Fluglärm-Betroffenen.

Ein nicht nachfragender Moderator, der jede andere Diskussion - wie nach einem geeigneteren Flughafenstandort - im Keim unterband, gehörte auch zum Podium. Schließlich wüssten ja alle, dass Schönefeld der falsche Standort ist. Nur warum - verflixt und zugenäht - wird die falsche Standortwahl dann nicht korrigiert? Keine Frage. Keine Antwort. Es geht ja auch nur um Flugrouten, basta. Im Fall von Ludwigsfelde geht es hier insbesondere um die Anflugrouten, die über der Stadt eng zusamengezogen werden sollen und zu einer Belastung um 60 dB führen würden.

Der Dank galt den disziplinierten BBI-Betroffenen

Ungeduldig wurden Äußerungen von Bürgern abgewürgt, wenn nicht schnell genug eine Frage gestellt wurde. Man ist halt abgenervt. Stattdessen konnte sich der Vertreter der Landesregierung in Lobeshymnen über die eigene Arbeit verlieren und schwatzte ungeniert mit seinem Sitznachbarn, während eine engagierte Bürgerin ihm ihre Sorgen offenbarte. Und ganz en passant kriegten noch die Rangsdorfer Bürger, Zitat ... ahnungslose Altbetroffene ... meine Freunde aus Rangsdorf ..., was vom Ludwigsfelder Bürgermeister Gerhard hinten drauf. Denn diese waren nicht Mitglied der Schutzgemeinschaft (nicht korrekt) und haben jetzt die Sorge, ergänzte Gerhard süffisant, dass in einer Höhe von 1400 Metern eventuell die Flieger über Rangsdorf fliegen. (nicht korrekt).

Am Ende der Veranstaltung bedankte sich der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung Igel dann noch bei den Teilnehmern für eine »äusserst disziplinierte Diskussion« und dafür, dass diese ohne Transparente erschienen sind. Fukushima lässt grüßen.

Die Landesregierung war mit dabei

Der Schauplatz dieses Spektakels war gestern eine Oberschule in Ludwigsfelde. Die Stadt hatte auch den BBI-Gutachter Dieter Faulenbach da Costa und Staatssekretär Rainer Brettschneider geladen, der sich aber durch einen für Flugverkehr zuständigen Herrn Seidel vertreten ließ. Das konkrete Aufgabengebiet und damit die Kompetenz von Seidel in Sachen Flugrouten am BBI ergründete der Moderator von der Märkischen Allgemeinen Zeitung namens Reck nicht. Die Hoffnung, wenigstens einen Abteilungsleiter von der Landesregierung mit im Podium zu haben, zerschlug sich unmittelbar nach dem Beginn der Veranstaltung.

Auszüge aus der Podiumsdiskussion finden Sie in der Mediathek.

Gutachter: Flughafengesellschaft argumentiert unehrlich

Gutachter Faulenbach da Costa erläuterte in deutlichen Worten die allgemeinen Folgen und die konkreten Auswirkungen auf Ludwigsfelde, die sich durch den Flughafenbau in Schönefeld ergeben. Faulenbach da Costa forderte ehrliche Argumente beim BBI ein und kritisierte laienhafte Simulationen von Seiten der Flughafengesellschaft. Er sagte:

Es ist nicht ehrlich argumentiert worden. Das ist eine Sauerei.

Anders ausgedrückt: Die Bürger und ihre Vertreter werden verschaukelt. Auch mit einem überhaupt nicht relevanten Lärmindex, wie der Gutachter ausführlich erläuterte. Aber es folgte kein Aufschrei auf dem - hohen - Podium. Keine Gegenrede vom Vertreter der Landesregierung oder die Verpflichtung diesen Vorwürfen nachzugehen. Keine Forderungen von seiten des Bürgermeisters oder anderen.

Über der Deutschen Flugsicherung steht nur Gott

Fast alle Mitglieder des Podiums richten ihre Hoffnungen auf die Arbeit der Fluglärmkommission und auf die nachfolgende Chance, die Deutsche Flugsicherung (DFS) beeinflussen zu können. Allerdings zog allen der Gutachter Faulenbach da Costa den Zahn. Wie die Deutsche Flugsicherung (DFS) an allen deutschen Flughäfen arbeitet, brachte er überspitzt so auf den Punkt:

Das kann ich machen, wie ich will. Da komme ich gleich nach dem lieben Gott. Das ist das Prinzip der DFS.

Und wenn das nicht ausreicht, kommen Sicherheitsaspekte ins Spiel, um sich durchzusetzen, so Faulenbach da Costa. Diese an Deutlichkeit kaum zu übertreffenden Worte, führten aber zu keinerlei offen ausgesprochenen Erkenntnisgewinn auf dem Podium. Auch nicht beim Vorsitzenden der Schutzgemeinschaft Ahlgrimm oder dem Vertreter der Stadt in der Fluglärmkommission Thielicke. Dabei ist doch klar, wer den Schwarzen Peter spätestens im nächsten Jahr kriegt.

Man kennt sich. Man ist abgenervt. Und steckt doch die Köpfe zusammen.

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