Platzeck zu Flugrouten am BBI: Südbahn-Betroffene sollen noch mehr Fluglärm abkriegen
Der Ministerpräsident von Brandenburg Matthias Platzeck hat sich gegenüber der Nachrichtenagentur dapd für noch effektivere Lösungen bei den neuen Flugrouten am künftigen Flughafen Berlin Brandenburg International, kurz BBI, ausgesprochen. Seine Empfehlungen würden die Fluglärmbetroffenen im Süden des BBI zusätzlich belasten.
Mein Ziel ist es, dass der Flugverkehr so organisiert wird, dass er die Bedürfnisse der Menschen im Umfeld ernst nimmt. ... Wir brauchen ein intelligentes Management der Start- und Landebahnen.
Um einen optimalen Schallschutz zu erreichen, so Platzeck, müssen die Schallschutzmaßnahmen und die Nutzung der einzelnen Flugbahnen im Zusammenhang gesehen werden. Platzeck verwies auf die Möglichkeit, bei einem Geradeausflug über Mahlow »lärmmindernde betriebliche Maßnahmen« umzusetzen und:
Nicht jedes Flugzeug muss erst am Ende der Startbahn abheben.
Weiterhin bestünde die Möglichkeit, dass die Nordbahn nur dann für Abflüge in Richtung Westen genutzt wird, wenn dringende betriebliche Erfordernisse dies erzwingen. Wie schon der Berliner Regierende Bürgermeister und Verkehrsminister Ramsauer forderte Platzeck die Deutsche Flugsicherung auf, die Empfehlungen der Fluglärmkommission ernsthaft zu prüfen. Platzeck:
Ich erwarte, dass die Ergebnisse der Diskussion in der Fluglärmkommission von der Flugsicherung ernsthaft geprüft und, wenn keine gravierenden Sicherheitsargumente dagegen sprechen, auch übernommen werden.
Seiner Ansicht nach wären Umwegstrecken von nur wenigen Flugkilometern kein Argument, um den zukünftigen Flughafen nicht wirtschaftlich betreiben zu können. Auch die ansonsten unübliche Empfehlung der Fluglärmkommission, den Piloten die Freigabe für den Weiterflug nach eigenem Ermessen erst über der gesetzlich festgelegten Höhe von 1.500 Metern zu erteilen, wurde von Platzeck befürwortet. Das gelte auch dann, wenn dafür zusätzliche Fluglotsen zur Verfügung gestellt werden müssten.
Mit seinen Äusserungen meldet sich der Brandenburger Ministerpräsident nach längerer Zeit der Abstinenz wieder zu Wort. Dass man Flugzeugen vorschreiben kann, an einem bestimmten Punkt von der Startbahn abzuheben, erscheint ziemlich realitätsfern. Der Leiter für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Deutschen Flugsicherung Axel Raab wies darauf hin, dass der Punkt, an dem ein Flugzeug von der Startbahn abhebt, von verschiedenen Faktoren wie Flugzeuggewicht, den Leistungsdaten des Flugzeugs, dem Luftdruck und der Temperatur abhängig ist. Es ist auch nicht so ganz klar, was der Ministerpräsident wohl meinen würde. Weiterhin erklärte Raab uns gegenüber, dass die Flugzeuge im Regelfall sowieso weit vor dem Ende der Startbahn abheben:
Die Flugzeuge heben gewöhnlich zwischen dem ersten Drittel und dem Ende des zweiten Drittels der Bahn ab, um bei einem plötzlichen Triebwerksausfall noch genügend Bahnlänge zum Abbremsen zu haben. ... Auch die Bahnen des neuen Großflughafens BBI werden Bahnlängen von vier bzw. 3,6-Kilometern haben.
Platzecks Empfehlungen in Bezug auf die Nordbahn am BBI sind Opium für die von dort Fluglärm-Betroffenen. Schließlich liegen nach Aussage der Flughafengesellschaft bereits soviele Anmeldungen für 2012 vor, die einen unabhängigen Betrieb der Nord- und der Südbahn am BBI erfordern. Anders gesagt: Die betrieblichen Erfordernisse, von denen der Ministerpräsident Platzeck bei den westlichen Starts von der Nordbahn spricht, liegen schon jetzt vor. Und würden dann natürlich umgesetzt. Seine konkreten Aussagen sind sachlich unfundiert, politisch ungefährlich, unverbindlich und nichts sagend.
Dass Starts, sofern keine »betrieblichen Erfordernisse« vorliegen, dann von der Nord- auf die Südbahn verschoben werden, erwähnte Platzeck nicht. Damit kämen diejenigen Gemeinden noch weiter unter die Räder, respektive unter den Flugzeuglärm, denen der Planfeststellungsbeschluss noch bescheinigte, vom Ausbau des Flughafens BBI nicht oder nur im geringen Ausmaß betroffen zu sein.
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Der Report der BBI-Verschwörer
Zu jedem Skandal, zu jedem Betrug, zu jeder arglistigen Täuschung und zu jedem Mordfall gibt es einen Report. In ihm ist festgehalten, wer mit wem und mit welchem Ziel konspirierte. In diesen Reports steht auch, wie das Ziel bestmöglich erreicht werden kann. Mal betreffen die eingesetzten Mittel nur Einzelne, mal sind es Tausende Menschen. Die Wahl der Mittel reicht von kleineren Täuschungen bis hin zum Bruch von unverhandelbaren Menschenrechten. Dabei geht es nicht immer um Geld, sondern häufig auch um politische Überzeugungen.
Der Report der BBI-Verschwörer - ein Kommentar.
Fluglärm-BBI-Karte veröffentlicht
Die Taz hat eine grafische Karte zum BBI erstellt, in der der Fluglärm entsprechend der Beschlüsse der Fluglärmkommission (bei der die Mehrheit die Minderheit überstimmt) aus März 2011 straßengenau abgebildet wird.
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