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Lufthansa: Kein Drehkreuz am BBI - Ende der Phantastereien gefordert

11. Mai 2011

Die Lufthansa richtet am Airport Berlin Brandenburg International (BBI) in Schönefeld kein Drehkreuz für Umsteigeflüge ein. Die Entscheidung der größten deutschen Airline könnte Auswirkungen auf den von der Politik und den Flughafeneigentümern geforderten unabhängigen Parallelbetrieb haben. Und zu neuen Flugrouten führen. Jetzt meldet sich der Bundesverkehrsminister zu Wort.

Ursprünglich hatte die Lufthansa angekündigt, ihr Engagement am BBI auszubauen. Vorstandschef Christoph Franz sagte jetzt aber:

Wir haben mit Frankfurt und München bereits zwei Mega-Drehkreuze.

Nach Angaben der Flughafen Berlin Schönefeld GmbH ist ein unabhängiger Parallelbetrieb beim Abflug erforderlich, um in Spitzenzeiten nicht hinter die derzeitigen Kapazitäten von Tegel und von Schönefeld zurückzufallen. Pressesprecher Ralf Kunkel erklärte dazu:

Bereits für das BBI-Eröffnungsjahr 2012 liegen Anmeldungen vor, die nur mit unabhängigen Parallelstarts bedient werden können.

Sollten durch die Entscheidung der Lufthansa weniger Flugzeuge als geplant am BBI abheben, dürften auch weniger Gründe für ein Umfliegen des Berliner Südwestens, Stahnsdorf, Kleinmachnow und Potsdam vorhanden sein. Ein unabhängiger Parallelbetrieb könnte dann nicht mehr zwingend erforderlich sein. Zugleich wären dann die um 15 Grad abknickenden Flugrouten vom Tisch, die im vergangenen Jahr zu dem noch immer andauernden Proteststurm führten.

Bundesverkehrsminister Ramsauer mischt sich ein

In der letzten Sitzung der Fluglärmkommission wurden in einer Mehrheitsentscheidung Flugrouten beschlossen, die westlich entlang des Berliner Rings führen und auf Höhe des Autobahnkreuzes Werder nach Richtung Norden führen. Die für die Flugrouten verantwortliche Deutsche Flugsicherung hat sich aber bereits skeptisch zu diesem Ansinnen geäussert.

Bundesverkehrsminister Ramsauer

Zwischenzeitlich hat sich auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer zu Wort gemeldet und die ihm unterstellte Deutsche Flugsicherung kritisiert. Ramsauer sagte gegenüber der BILD-Zeitung, die Bürgervertreter in der Flugsicherungskommission haben intelligente Vorschläge gemacht, die von der Deutschen Flugsicherung jetzt in die Routenplanung sorgfältig einbezogen werden müssten. Zudem werde die Flugsicherung die Ergebnisse ernst nehmen, auch wenn nicht jedes Detail eins zu eins übernommen werden kann. Die Wahl der Flugrouten habe sich der Sicherheit unterzuordnen. Der Minister sagte aber auch: Soweit vertretbar, sollte der Lärmschutz vor Wirtschaftlichkeit gehen. Das heißt aber auch: Die Wirtschaftlichkeit muss gegeben sein. Hierbei dürfen weder die Fluggesellschaften noch der Flughafen selbst überfordert werden. Sonst ginge dies zu Lasten von Arbeitsplätzen.

Politisch gewollter Standort ist perspektivlos - Ende der BBI-Phantastereien gefordert

Wie dieser Abwägungsprozeß zu Ende geht, dürfte vor dem Hintergrund der Entscheidung der Lufthansa spannend werden. Dass es sich bei dem Standort in Schönefeld um einen Flughafen ohne Perspektive handelt, haben Gutachter bereits erklärt. Die politische Dimension stellte der Präsident des Verbandes Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN), Peter Ohm, fest:

Wir begrüßen die Entscheidung der Lufthansa, für ihre Airline kein Drehkreuz in Schönefeld einzurichten. Sie widerspiegelt die realistische Sicht, dass der neue Airport am Stadtrand von Berlin nicht die Voraussetzungen für eine solche Dimension bietet.

Die große Nähe des Flughafens zu Berlin und den umliegenden Städten sei politisch gewollt und habe dabei die Rechte der Anwohner auf Schutz vor gesundheitlich schädlichem Fluglärm eingeschränkt.

Die massiven Proteste der Bürger sind nur ein Vorgeschmack dessen, was die Verlärmung von großflächigen Wohngebieten auch im Berliner Stadtgebiet an Konfliktpotenzial noch über die geplante Eröffnung des Großflughafens im Juni 2012 dauerhaft bereithält. Der VDGN fordert, wie die Bürgerinitiativen, ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr.

Der Verband ruft den Regierenden Bürgermeister und zugleich Flughafen-Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Wowereit auf, den Verzicht der Lufthansa zum Anlass zu nehmen und sich von seinen Phantastereien eines BBI-Drehkreuzes zu verabschieden, sagte Ohm.

Bildnachweis: Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung Dr. Peter Ramsauer - Quelle: BMVBS/Fotograf: Frank Ossenbrink)

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