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Flugrouten entschieden - Was der Bürgerwille zählt

10. Mai 2011

Die Fluglärmkommission (FLK) hat neue Abflugrouten für die Nordbahn am Airport Berlin Brandenburg International (BBI) empfohlen. Deren 41 Mitglieder haben in einer Mehrheitsentscheidung empfohlen, dass startende Flugzeuge erst westlich von Werder nach Norden abdrehen sollen. Die Deutsche Flugsicherung ist an die Empfehlung nicht gebunden und signalisierte bereits, diese Empfehlung nicht umsetzen zu wollen.

Nach den Vorstellungen der Mehrheit der Fluglärmkommission (22 Mitglieder dafür, neun dagegen, sechs enthielten sich) fliegen die von der Nordbahn aus startenden Flugzeuge entlang dem südlichen Berliner Ring bis zum Autobahndreieck Werder, ehe sie nach Norden abdrehen dürfen. Zudem soll das erst bei einer Höhe von 3000 Metern geschehen. Üblicherweise erhalten die Flugzeuge ab einer Höhe von etwa 1500 Metern ihre Kursfreigabe. Danach würden die Flugzeuge Potsdam und Berlin überfliegen.

Mit der jetzt vorliegenden Variante würde es keine Überflüge über Potsdam, Werder und den Südwesten Berlins unterhalb von 3.000 Meter geben, was allgemein als nicht lärmrelevant gilt. Die Deutsche Flugsicherung prüft den Vorschlag bis zur nächsten Sitzung der Fluglärmkommission am 23. Mai.

Flughafen-Chef Rainer Schwarz stimmte wegen der zu erwartenden Kapazitätseinschränkungen gegen die Variante. Der Chef der Deutschen Flugsicherung Berlins Hans Niebergall äusserte sich skeptisch:

Die flüssige Flugabwicklung wäre nur schwer handhabbar.

Nach Meinung von Niebergall müssen die Piloten auf möglichst kurzen Strecken geführt werden, um die Flüge am BBI sicher und flüssig abzuwickeln zu können. Schwierig zu handhaben wären die unterschiedlich schnellen Flugzeuge. Aber auch die längeren Flugzeiten und der erhöhte Kerosinverbrauch stehen den wirtschaftlichen Zielen des Flughafens entgegen.

Mehrere Bürgerinitiativen äusserten sich zufrieden über die gefundene Mehrheitsentscheidung. Es gab aber auch zurückhaltende Töne. Marela Bone-Winkel von der Bürgerinitiative »Keine Flugrouten über Berlin« äußerte sich beispielsweise so:

Jetzt muss die Politik ihre Versprechen einlösen und die Vorschläge des Lärmgremiums auch wirklich umsetzen.

Die Berliner Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) bezog zu den Vorschlägen der Fluglärmkommission folgerdermaßen Stellung:

Ich erwarte, dass die Flugsicherung die Empfehlung der Fluglärmkommission sehr genau auf die Möglichkeit der Umsetzbarkeit prüft."

Die endgültige Entscheidung über die Flugrouten fällt erst kurz vor der Eröffnung des BBI. Die Eröffnung des Flughafens ist für den 3. Juni 2012 geplant.

Zu den Entscheidungen der Fluglärmkommission und der Stellung der Deutschen Flufsicherung veröffentlichte die Bürgerinitiative »Weg mit Flugrouten über Kleinmachnow« eine Pressemitteilung:

BBI-Fluglärmkommission
DFS beharrt starrsinnig auf Kapazitätsmaximierung

Nach der Aufdeckung des Flugroutenskandals, in den die Deutsche Flugsicherung (DFS) erwiesenermaßen aktiv verstrickt ist, sollte diese Bundesbehörde jetzt endlich Zurückhaltung üben, fordert die Bürgerinitiative Kleinmachnow gegen Flugrouten e.V. Statt dessen dokumentiere die DFS durch ihre Erklärungen im Anschluss an die gestrige FLK-Sitzung erneut, dass sie mit ihrer Flugroutenplanung vorrangig den unabhängigen Parallelbetrieb und damit die Kapazitätsmaximierung des Hauptstadtflughafens verfolge. Dabei blende sie aus, dass die Fluglärmkommission sich längst gegen solchen „Größenwahn“ ausgesprochen und beschlossen hat, es darf für einen BBI am Standort Schönefeld

  • keinen unabhängigen Parallelbetrieb
  • keinen Nachtflug von 22 bis 6 Uhr
  • kein Internationales Drehkreuz

geben. Nachdem ebenfalls der Bund sowie die Länder Berlin und Brandenburg als Eigentümer des BBI dem Schutz der Bevölkerung vor Fluglärm klare Priorität vor der Wirtschaftlichkeit des Airports sowie der Fluggesellschaften einräumen, ist es endlich an der Zeit, dass sie im Sinne der FLK-Beschlüsse und ihrer eigenen Versprechungen die genannten Kapazitätsbeschränkungen anordnen. Sollten das nicht nur Sonntagsreden sein, dann würde der Weg endlich frei, die neuen Routenempfehlungen der Kommission zum Schutz der Menschen vor krank machendem Fluglärm auch zu verwirklichen. Wenn die DFS argumentiert, es gebe nirgendwo eine Routenverbindlichkeit bis zur Höhe von 10.000 Fuß, dann halten wir ihr entgegen, es gibt außer in Schönefeld auch nirgendwo einen neu geplanten Großflughafen in dicht besiedeltem Gebiet, unterstreicht BI-Sprecher MATTHIAS SCHUBERT das Bürgervotum.

Kleinmachnow, den 10.5.2011
V.i.S.d.P.: Matthias Schubert
Unterberg 31
14532 Kleinmachnow
Tel.: 015140133961

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