Bürgerinformation der BISS Rangsdorf e.V.
Zum Stand der Entwicklung der Flugroutendiskussion
Sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger aus Rangsdorf, Grossmachnow und Klein Kienitz,
vor zwei Monaten haben wir Sie über den aktuellen Stand der Aktivitäten unserer Bürgerinitiative sowie die Entwicklung der Flugroutendiskussion informiert. Seitdem haben sich weitere Bürger bei uns als Mitglieder angemeldet und es sind auch weitere Spenden eingegangen. Haben Sie vielen Dank dafür! Bitte lassen Sie jedoch in Ihrer Spendenbereitschaft nicht nach, es sind noch viele Aufgaben zu lösen und Aktionen zu finanzieren.
Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass kurz nach unserem damaligen Bericht die Fluglärmkommission am 14.2.2011 eine scharfe Kurve – die sogenannte Hoffmann-Kurve - diskutierte, die von einem Herrn Hoffmann aus der Gemeinde Eichwalde angeregt und durch die Flugsicherung als „fliegbar“ bewertet wurde.
Diese Kurve beschreibt bei Starts auf der Südbahn bei Ostwind einen extrem engen Halbkreis, führt danach dicht an Diepensee und noch dichter an Ragow vorbei, um schließlich direkt über Grossmachnow zu verlaufen und von dort weiter nach Westen zu führen.
Eine Grafik zur Darstellung dieser Kurve sehen Sie auf der linken Seite.
Was die offiziellen Stellen als „gute Lösung“ zur Lärmreduzierung vor allem von Eichwalde darstellen, ist vor allem für Zeuthen überhaupt keine Lösung, weil nun direkt über UND dicht entlang des Ortes geflogen wird und im weiteren Tausende Menschen vor allem im Bereich Wildau, Ragow und Mittenwalde neu betroffen sein werden.
Die Lautstärke in Grossmachnow unter diesen Abflügen wird in etwa vergleichbar sein mit Diedersdorf, wenn uns die Flugzeuge mit ca. 70 db(A) in einem ca. 3 km breiten Korridor überfliegen. Es werden bei Ostwind durchschnittlich 112 dieser Überflüge über Grossmachnow pro Tag bei Inbetriebnahme des BBI prognostiziert, also im Durchschnitt alle 9 Minuten, in Spitzenzeiten entsprechend mehr.
Diese Route darf als weiterer Beweis für die immer seltsamer werdenden Flugroutenblüten jenseits der ursprünglichen Planfeststellung gewertet werden, auf die sich Hunderttausende Bürger im Umfeld des BBI verlassen haben. Bürger, die darauf vertraut haben, dass ihnen ein solch umfangreiches Planfeststellungsverfahren, wie es der BBI durchlaufen hat, auch Planungssicherheit für ihre privaten Investitionen gibt.
Festzustellen bleibt leider auch, dass die Forderungen der Bundeskanzlerin vom 12. Februar, ohne „Wenn und Aber“ Flugroutenlösungen auf der Basis des Versprochenen zu schaffen, sich nicht im konkreten Handeln der DFS und des Bundesverkehrsministeriums unter Minister Ramsauer erkennen lassen. Die Gesamtverlärmung von Rangsdorf dürfte durch die beidseitige und immerwährende Belastung durch Abflugrouten den durchschnittlichen Wert von 55 db(A) deutlich überschreiten, windrichtungsunabhängig wird der Ort einer permanenten, hohen Belastung ausgesetzt sein.
Leider hört auch unsere Nachbargemeinde Blankenfelde-Mahlow nicht auf, Forderungen zur vollständigen Verschiebung der Westabflüge in Richtung Rangsdorf zu stellen, so erst wieder verlangte die Gemeinde von der DFS die Prüfung des doppelten Südabflugs über Rangsdorf, zuletzt erschienen im Anzeiger von Blankenfelde-Mahlow vom 23.2.2011.
Die erwartete Stellungnahme der Flugsicherung am 14.2.2011 zum Konfliktpotential mit den großen Vogelzügen am Rangsdorfer See blieb aus, die DFS verwies nach 8 Wochen lediglich auf die fehlende eigene Zuständigkeit und benannte die Brandenburger Planfeststellungsbehörde als verantwortlich. Eine gleichlautende Anfrage der Landtagsfraktion B90/ Die Grünen führte zur Antwort des Verkehrsministers Vogelsänger, dass Belange des Vogelschutzgebietes einschließlich Vogelschlag nicht weiter zu prüfen wären, und wenn man Fragen hätte, gehe man doch bitte zur Deutschen Flugsicherung. Dieses gegenseitige Zuschieben an Zuständigkeiten ist leider symptomatisch für diese offensichtlich komplizierte Angelegenheit, niemand scheint sich daran die Finger verbrennen zu wollen, deswegen werden wir an diesem Thema weiter dran bleiben müssen. Es war uns inzwischen jedoch möglich, das Problem unseres EU-Vogelschutzgebietes in der „Nahaufnahme“ des RBB-Info-Radios einer breiten Hörerschaft zugänglich zu machen, auch sind dazu kürzlich einige Beiträge in Berliner und Brandenburger Tageszeitungen erschienen.
An den Unterlagen zur Vorbereitung der EU-Beschwerde wird intensiv gearbeitet, Absprachen mit Naturschutzverbänden und einer Anwaltskanzlei mit Ausrichtung im Umweltrecht fanden statt. Ebenfalls im Februar überraschte der Flughafen mit seiner Absicht, den BBI als internationales Drehkreuz mit Zielrichtung Asien auszubauen und Flughäfen wie London, Paris oder Amsterdam den Rang abzulaufen. Ein geplanter Umsteigeanteil von bis zu 50% soll dabei helfen, zusätzliches Geld am Flughafen durch die Umsteigepassagiere zu verdienen. Allerdings bewegt sich diese Planung weit außerhalb des planfestgestellten Umsteigeanteils von maximal 10%, der BBI war nur für die Deckung des Bedarfs der Region Berlin-Brandenburg vorgesehen und nicht als internationaler Hub. Weitere Vorstöße zum Abbau des bisherigen Nachtflugverbots von nur 24 bis 5 Uhr sind zu erwarten, AirBerlin reichte bereits eine entsprechende Klage auf mehr Nachtflug beim Bundesverwaltungsgericht ein. Mitte Februar war in mehreren Tageszeitung die DFS als Interviewpartner im Gespräch, sie hatte dort klar zu erkennen gegeben, dass sie zum einen in die Vorauswahl der Standortentscheidung überhaupt nicht eingebunden wurde, sie ihrerseits die Planfeststellungsbehörde und den Flughafen nie in Unkenntnis darüber ließ, dass Parallelstarts zwingend mit einem Aufspreizen der Flugrouten einhergehen würden und dass sich die planfestgestellten 360.000 Flugbewegungen auch nicht ohne Parallelstarts auf zwei Bahnen abwickeln lassen – das Bundesverwaltungsgericht wird sich mit diesen Aussagen im Rahmen der Klageverfahren noch in diesem Jahr auseinandersetzen und über die Zulässigkeit der Klagen entscheiden.
Auch möchten wir darauf hinweisen, dass die Landtagsfraktion B90/ Die Grünen Mitte März eine große Anfrage an die Landesregierung eingereicht hat. Über 30 detaillierte Fragen z.B. über die Mitwisserschaft der Landesregierung von den abknickenden Flugroutenplänen oder zu Details über die finanziellen Auswirkungen eines längeren Nachtflugverbots wurden gestellt – den gesamten Fragenkatalog finden Sie hier.
Die zweite Großdemonstration am 12.3 in Schönefeld war ein großer Erfolg, eine riesige Menschenmenge – unter ihnen mehrere hundert Rangsdorfer – war ein deutliches Signal, dass sich der Protest weiter verstärkt und man auch zu einer härteren Gangart bereit ist. Die Erreichbarkeit des Flughafens war durch den langen Demonstrationszug zeitweilig eingeschränkt. Am 10.4. und am 7.5. jeweils um 15 Uhr finden die beiden nächsten Großdemonstration in Schönefeld statt, die BISS Rangsdorf e.V. bittet um starke Beteiligung aller Rangsdorfer, Klein Kienitzer und Grossmachnower Bürger.
Falls Sie uns weiterhin mit Ihren Spenden unterstützen möchte, hier unser Spendenkonto:
Bürgerinitiative Schallschutz Rangsdorf
Konto–Nr. 100 00 0 8874
BLZ 160 500 00
Mittelbrandenburgische Sparkasse Potsdam
Ihre Spenden sind steuerlich absetzbar.
Für den Vorstand der Bürgerinitiative
Robert Nicolai
Tel. 033708-70715
Pick-News
Der Report der BBI-Verschwörer
Zu jedem Skandal, zu jedem Betrug, zu jeder arglistigen Täuschung und zu jedem Mordfall gibt es einen Report. In ihm ist festgehalten, wer mit wem und mit welchem Ziel konspirierte. In diesen Reports steht auch, wie das Ziel bestmöglich erreicht werden kann. Mal betreffen die eingesetzten Mittel nur Einzelne, mal sind es Tausende Menschen. Die Wahl der Mittel reicht von kleineren Täuschungen bis hin zum Bruch von unverhandelbaren Menschenrechten. Dabei geht es nicht immer um Geld, sondern häufig auch um politische Überzeugungen.
Der Report der BBI-Verschwörer - ein Kommentar.
Fluglärm-BBI-Karte veröffentlicht
Die Taz hat eine grafische Karte zum BBI erstellt, in der der Fluglärm entsprechend der Beschlüsse der Fluglärmkommission (bei der die Mehrheit die Minderheit überstimmt) aus März 2011 straßengenau abgebildet wird.
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