Ratschläge und Fantasien der Brandenburger Staatskanzlei
Bei der gestrigen Podiumsdiskussion in Ludwigsfelde, sollten die Auswirkungen von BBI - Flugrouten auf die Stadt diskutiert werden. Mehrere Vertreter der Stadt und ein Vertreter der Brandenburger Staatskanzlei waren neben etwa 120 Ludwigsfeldern und Bürgern aus dem Umland mit dabei. Der BBI-Gutachter Dieter Faulenbach da Costa erklärte den Anwesenden, in teils drastischen Worten, die schon jetzt geltenden Realitäten, wenn es um den BBI-Standort und Flugrouten geht.
Von einer dritten Piste und Flugrouten BBI - Fantasien
Die Fantasie des Vertreters der Brandenburger Staatskanzlei namens Seidel wurde aber bislang nicht durch die andauernden Bürgerproteste und die laufende Diskussion beflügelt. Seidel:
Die dritte Start- und Landebahn wird von uns und den Gesellschaftern im Augenblick nicht diskutiert. Sie ist eine Chimäre [Trugbild, Einbildung]. ... Ich oute mich gerne hier. Ich kann mir eine dritte Start- und Landebahn aus räumlichen Gesichtspunkten ... am Flughafen Berlin-Schönefeld nur sehr sehr schwer vorstellen. ... Mir fehlt da viel Fantasie, mir eine dritte Start- und Landebahn hier vorzustellen. Wenn wir übrigens über sowas reden sollten, Herr Faulenbach da Costa, Sie können mich da gern korrigieren, Sie kennen das mit Ihrer Erfahrung besser, ... dann reden wir darüber in 20-30, 20-40 [Jahren]. (Hervorhebung und Erläuterung die Red.)
Im Süden Deutschlands ist man offenbar kreativer und der angesprochene BBI-Gutachter Faulenbach da Costa weiß es offenbar in der Tat besser. Wunschgemäß korrigierte er und nordete die Anwesendenden mal wieder ein. An Hand des vergleichbaren Flughafens München machte Faulenbach da Costa deutlich, dass dort gerade ein Planfeststellungsverfahren läuft, welches den Bau einer dritten Start- und Landebahn zum Ziel hat. Und weiter:
Zu dem Herr Seidel, was Sie gesagt haben. ... Und ich wundere mich immer darüber, wie auch das Bundesverwaltungsgericht mir gesagt hat, was ich damals gedacht habe. ... Mit allem Respekt, aber wir haben damals nicht einen Großflughafen ... untersucht. ... Aber untersucht wurde auf Raumveträglichkeit ein Flughafen für 30 Millionen Passagiere und zwei Pisten. Das war der Gegenstand der Raumordnung. Und nichts anderes! Und wir haben nur gesagt, selbst für diesen Fall, den 30 Millionen, ist der Standort Schönefeld nicht geeignet ... Lassen Sie mich auch das noch dazu sagen. Ich finde es eigentlich auch schlecht und ... schofelig gegenüber dem Flughafen. Der Flughafen hat keine Perspektive an diesem Standort. Und wenn Sie [Seidel] selbst sagen, Sie können sich das raumordnerisch nicht vorstellen, dass eine dritte Piste gebaut wird, dann endet die Entwicklung des Flughafens im Punkt 30 oder von mir aus 45 Millionen [Passagieren]. Dann ist da das Ende der Fahnenstange. Im Luftverkehr muss ich längerfristig denken: 30 - 40 oder 50 Jahre ... im Sinne des Flughafens und nicht nur im Sinne der Region. (Ergänzungen die Red.)
Auszüge aus der Podiumsdiskussion finden Sie in der Mediathek.
Einsichten eines MAZ-Moderators und Ratschläge von der Staatskanzlei für Frösche - Hand in Hand
An diesem Punkt machte der Moderator der Podiumsdiskussion Reck (MAZ) einen die Diskussion lenkenden und durchaus unangebrachten Schnitt. Er sagte:
Der Standort ist nun mal da. Und wir können das im Nachhinein leider nicht mehr ändern.
Herr Reck, für wen sprechen Sie denn da, wen meinen Sie denn mit »wir«? Und warum solle das nicht änderbar sein? Einige Diskussionsteilnehmer äusserten sich anschließend über diese Form der Moderation doch ziemlich irritiert. Stichworte dabei waren die Erfolge der Bürgerproteste beim Projekt Stuttgart-21 oder die Abschaltung von einer Reihe von Atomkraftwerken trotz unveränderter Faktenlage. Schließlich, hieß es im Anschluß, war der Standort Schönefeld eine rein politische Entscheidung, die auch politisch korrigierbar ist.
Die Berliner SPD, 1995 noch vehement gegen den Standort Schönefeld, tritt ja inzwischen mit ihrem Spitzenkandidaten Klaus Wowereit Pro-Großflughafen in Schönefeld ein. Was nach BBI-Gutachter Faulenbach da Costa zu großräumigen Absiedlungen beispielsweise von Zeuthen und Rangsdorf führen muss.
Wenn die dritte Piste kommt, kann ja noch einmal eine solche Podiumsdiskussion stattfinden, wo über Flugrouten vereinsgemeiert wird. Aber dann bitte wieder mit Herrn Reck. Und bitte auch mit Herrn Faulenbach da Costa, der die Leviten liest, während ein Podium mal wieder Ohrenschützer trägt. Deren Resistenz ist aber so oder so beeindruckend. Und wenn die Politik die Bürger nach Wahlen mal wieder nicht versteht oder Politiker über ihre Verluste entsetzt erscheinen, liegt das mit Sicherheit an diesen Formen der Auseinandersetzung mit sachfremden politischen Entscheidungen, während in der Luft Medien-Musik erklingt.
Das sei auch noch erwähnt: Der BBI-Gutachter Faulenbach da Costa hält eine dritte Piste bereits in 8-12 Jahren für möglich.
Das ändert natürlich derzeit nichts am kollektiven Schweigen der Bürgervertreter und dem Flugrouten-herumgedoktere am toten, sprich perspektivlosen, BBI-Patienten in Ludwigsfelde. Dafür hatte die Brandenburger Staatskanzlei in Form von Herrn Seidel noch einige Ratschläge beschwörend für die anwesenden Bürger in petto:
Vergessen Sie nicht Ihr Hauptanliegen. Und Ihr Hauptanliegen ist in der Tat die Anflugsituation [im Bereich der Stadt Ludwigsfelde]. Das Kampffeld, dass Sie haben und da wo sich Ihre Vertreter in der Fluglärmkommission einsetzen müssen, ... ist die Anflugfrage ... und das ist das Bahnmanagement. ... Konzentrieren Sie sich auf das, was für Sie wichtig ist. ... Die DFS zieht ihren Stiefel durch. ... (Erläuterung die Red.)
Natürlich weiß Herr Seidel, dass die Fluglärmkommission in seinem Ministerium beheimatet ist und lediglich Empfehlungen an die Deutsche Flugsicherung (DFS) aussprechen kann. Wie inzwischen durch den BBI-Gutachter ja bekannt ist: Die Deutsche Flugsicherung agiert so, als käme sie gleich nach dem lieben Gott. Was Herr Seidel wegen seines Stiefel-Vergleichs auch irgendwie zu verstehen scheint.
Wer als Frosch aber Ratschläge von Leuten annimt,Das hier abgewandelte Sprichwort geht im Original so: Wer den Sumpf trocken legen will, darf nicht die Frösche fragen. die den Sumpf trocken legen wollen, benötigt bald woanders viel Sumpf. Oder konkret:
Wer als Bürger eigen-interessengeleitete Ratschläge von Politikern annnimmt, welche die Diskussion um den Standort Schönefeld beenden wollen, wird zusätzliche An- und Ablugrouten für die dritte Piste in Schönefeld aufgetischt bekommen.
Denjenigen: Guten Appetit.
Pick-News
Der Report der BBI-Verschwörer
Zu jedem Skandal, zu jedem Betrug, zu jeder arglistigen Täuschung und zu jedem Mordfall gibt es einen Report. In ihm ist festgehalten, wer mit wem und mit welchem Ziel konspirierte. In diesen Reports steht auch, wie das Ziel bestmöglich erreicht werden kann. Mal betreffen die eingesetzten Mittel nur Einzelne, mal sind es Tausende Menschen. Die Wahl der Mittel reicht von kleineren Täuschungen bis hin zum Bruch von unverhandelbaren Menschenrechten. Dabei geht es nicht immer um Geld, sondern häufig auch um politische Überzeugungen.
Der Report der BBI-Verschwörer - ein Kommentar.
Fluglärm-BBI-Karte veröffentlicht
Die Taz hat eine grafische Karte zum BBI erstellt, in der der Fluglärm entsprechend der Beschlüsse der Fluglärmkommission (bei der die Mehrheit die Minderheit überstimmt) aus März 2011 straßengenau abgebildet wird.
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